Mittwoch, 17. April 2019

Von Null auf Garten

Mein Garten war ja im alten Blog ja immer mal wieder Thema. Deshalb heute eine kurze Statusmeldung, zu mehr reicht die Zeit vermutlich nicht. Fast zwei Jahre lang lag unser Garten mehr oder weniger brach. Die finanzielle Situation, das Schreiben, der neue Job im Buchladen, ein Autounfall, es kamen viele Faktoren zusammen, die mir einfach die Kraft für tägliches Buddeln und Pflegen und Gießen geraubt haben. Trotzdem liebe ich meinen Garten und in diesem Jahr wollen wir ihn endlich wieder anpacken. Wir, das bin ich und das sind meine drei Jungs, die noch zu Hause leben, inzwischen 13, 15 und 17 Jahre alt und überraschend interessiert an allem, was da wächst und gedeiht.

Zwei Dinge haben wir für uns nach einem ersten Gartenrundgang beschlossen:

1. Unser Garten soll kein klassischer Ziergarten mehr werden, das würden wir a) rein zeitlich nicht schaffen und b) uns auch finanziell nicht leisten können und c) auch der Insekten und Vögel zuliebe gar nicht wollen.
2. Wir wollen versuchen, die üblichen Hau-Ruck-Aktionen zu vermeiden und statt dessen uns lieber viele kleine regelmäßige Schritte angewöhnen, die unseren Garten so nach und nach von einem - nun ja - Dornengestrüpp in ein Naturparadies verwandeln. 

Denn eins hat unser brachliegender Garten allen anderen Gärten in unserer Nachbarschaft voraus. Trotz unserer zwei Freigänger-Kater wimmelt es bei uns im Garten vor Lebewesen. Bienen, Hummeln, Krabbelviecher, deren Namen ich gar nicht alle kenne, bei uns leben Igel, mehrere Eichhörnchen, jede Menge Mäuse, so viele verschiedene Singvögel, dass wir oft ein Lexikon zu Rate ziehen müssen, Kröten und neuerdings auch ein Bergmolch. Zumindest glauben wir, dass es einer ist. Wir haben ihn zwischen unseren Steinen gefunden und der kleine Kerl hat uns freundlicherweise ganz kurz seinen leuchtend orangen Bauch gezeigt, bevor er dann gemütlich weitergewandert ist. Dieses Paradies wollen wir auf keinen Fall durch falsche und übertriebene Pflege zerstören, sondern eher noch verbessern.



Zusammen haben wir verschiedene Pläne geschmiedet, die jetzt nach und nach umgesetzt werden, immer mit dem Vorsatz, möglichst wenig bis gar kein Geld für alles auszugeben, denn Geld ist derzeit Mangelware. Wer also hier Tipps für tolle Staudenbeete oder extravagante Bepflanzungen sucht, ist bei uns falsch. Wer sich dafür interessiert, wie man in einem Garten fast ohne Geld trotzdem schöne Ecken und Blickfänge gestalten kann, ist herzlich eingeladen, immer mal wieder vorbei zu schauen. Beim nächsten Gartenrundgang werde ich dann auch ein paar mehr Bilder machen und hier einstellen. Versprochen.

Zuerst haben wir angefangen, uns die allernötigsten Wege und Ecken etwas freizuschneiden. Den Schnitt hatten wir schon vor vier Wochen durchgeführt, letztes Wochenende haben wir dann alles gehäckselt und als Mulch wieder unter unserer noch im Entstehen begriffenen Waldhecke verteilt. Die Waldhecke ist eigentlich ganz von selbst entstanden. Irgendwo aus einem Nachbargarten kam ein Holunder vorbei und ist übers letzte Jahr schon richtig groß geworden, daneben eine Haselnuss ganz ohne unser Zutun. Da wir noch einige Meter Platz haben, suchen wir jetzt nach weiteren Waldpflanzen, kleinen Trieben, die wir in unseren Garten umsetzen können.

Zwei alte Steinhochbeete haben wir auch wieder freigelegt, hier können wir bienenfreundliche Pflanzen und Blumen aussäen. 
Gemüsebeete im Garten will ich keine mehr anlegen. Allerdings haben wir schon seit Jahren immer wieder einen Naschbalkon, auf dem allerhand wächst, zur Zeit verschiedene Kräuter, Pflücksalate, Kartoffeln in einer Tonne, Erbsen, dicke Bohnen ... 

Und dann braucht man ja irgendwann auch noch ein bisschen Zeit, um einfach mal in der Hängematte zu liegen.




PS:

Es gibt derzeit eine wunderbare Aktion des Umweltinstituts München, bei der man sich einen Ratgeber zum Thema "Bienengarten" kostenlos herunterladen kann. Außerdem kann man ein Samentütchen bestellen (solange der Vorrat reicht) und so selbst im eigenen Garten mithelfen, unsere Umwelt wieder ein bisschen bienenfreundlicher zu gestalten. Ich kopiere euch die Mail zum Download und Weiterverteilen einfach hierher:


Hallo,
bestimmt hast du schon vom großen Insektensterben gehört: seit 1989 ist der Insektenbestand in Deutschland um fast 80 Prozent zurückgegangen. ForscherInnen warnen, dass Insekten sogar ganz aussterben könnten, wenn das so weitergeht!
Beim Umweltinstitut kann man jetzt ein kostenloses E-Book mit Tipps anfordern, wie man im eigenen Garten oder Balkon ein Paradies für Bienen, Hummeln und Schmetterlinge schafft. Dazu kann man außerdem noch ein Tütchen mit kostenlosem Saatgut für Pflanzen bestellen, die Bestäuber besonders gerne anfliegen.
Hier geht es zu der Aktion:  https://www.umweltinstitut.org/bienengarten




Sonntag, 31. März 2019

Wie ich zur Fußgängerin wurde


Angefangen hat alles mit einem Autounfall. Selbstverschuldet, keine Vollkasko, Rippenbrüche und ein kaputtes Auto. Und absolut kein Geld für ein neues.
Im ersten Moment war da Panik. Kein Auto? Wie soll das gehen? Von meinen Kindern wohnen noch drei bei mir zu Hause. Ständig muss einer irgendwo hin oder irgendwo weg. Das Mama-Taxi fährt seit 28 Jahren regelmäßig und zuverlässig. Und meine Lesungen. Oft in den entlegensten Orten der Provinz. Wie soll ich da hin kommen? Nicht zu reden von meinen Wochenendeinkäufen für meine Großfamilie. Und ich bin alleine damit. Alleinerziehend. Alleineinkaufend. Alleinfahrend.
Es waren meine Jungs, die zuerst sagten: Wir schaffen das! Wir brauchen kein Auto. Das war letztes Jahr im Juli. Und seitdem sind wir kein bisschen weniger unterwegs als früher. Nur eben mit dem Bus, der Bahn, dem Fahrrad und zu Fuß.
Schuld am ersten längeren Fußweg an einem klaren Wintermorgen war der Bus, der einfach nicht kam. Ich musste dringend zu meinem Zweitjob im Buchladen und bin notgedrungen los gelaufen.
Zum Laden sind es etwa drei Kilometer - eigentlich gar keine große Entfernung, aber ich war vorher schlichtweg nie auf die Idee gekommen, diese Strecke zu Fuß zurückzulegen. Als ich im Buchladen ankam, war ich um zwei Erkenntnisse reicher.
1. Ich habe zu Fuß keine Minute länger gebraucht als der Bus, der unterwegs an gefühlt einhundertdrölfzig Stationen Halt macht.
2. Ich fühlte mich viel wacher und fitter als sonst um diese Uhrzeit.
Von diesem Tag an bin ich (fast) jeden Morgen zu Fuß zur Arbeit gelaufen. Und bekam ganz schnell noch eine Erkenntnis dazu: Es gibt unterwegs unglaublich viel zu sehen und zu entdecken, und das mitten in Hanau.
Mein schönstes Erlebnis bisher: Ein Eichhörnchen, das seine Jungen von einem Baum in einen anderen "umgezogen" hat.
Seit diesen Fußmärschen zum Job bin ich begeisterte Fußgängerin geworden. Ich habe mir sogar einen "Hackenporsche" zugelegt und statt einmal pro Woche gehe ich jetzt einfach öfter einkaufen. Und den Rest erledigt ein Biobauernhof aus unserer Gegend per Gemüsekistenabo. Das können wir uns nämlich leisten, seit wir kein Auto mehr fahren.
Zu meinen Lesungen fahre ich fast immer mit der Bahn. Und laufe dann vom Bahnhof zum Veranstaltungsort. Erst ein einziges Mal musste ich mir ein Auto leihen, alles andere ließ ich prima "öffentlich" und zu Fuß erledigen.
Inzwischen denke ich kaum noch darüber nach, ob ich eine Strecke wirklich laufen will. Ich laufe sie einfach. Und ja, ich tue dabei auch etwas für die Umwelt und meine Gesundheit. Die Bewegung und das Draußensein tun mir gut. Mein Körper verändert sich. Noch mehr hat sich mein Körperbewusstsein verändert. Ich nehme wieder wahr, dass ich aus mehr bestehe als nur aus Kopf, der von A nach B transportiert werden muss. Ich kann gehen, laufen, meine Hände können Dinge tragen, meine Arme sogar schleppen. Ich sehe, höre und rieche wieder, was draußen vor sich geht. Bei Autofahren hörte ich bestenfalls das Radio und den Verkehrsfunk. Selbst Sorgen und Ängste verlieren ihre Macht über mich, seit ich täglich zu Fuß unterwegs bin. Gedanken drehen sich nicht mehr im Kreis, sondern finden schnell eine Richtung und die Ideen für Geschichten liegen ja bekanntlich sowieso auf der Straße.
Wen ich jetzt noch nicht restlos überzeugt habe, der kann ja mal das aktuelle Buch von Björn Kern lesen "Im Freien - Abenteuer vor der Tür". So ist es. Genau so. Und das beste ist: Man braucht nichts, um Fußgänger zu werden. Okay - Schuhe vielleicht. Aber sonst wirklich nichts. Macht die Tür auf und lauft einfach los!

Sonntag, 17. März 2019

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Ehrlich gesagt, auch wenn mich die Frage seit einiger Zeit verfolgt, komme ich gar nicht dazu, sie zu beantworten. Und will das eigentlich auch gar nicht. Denn jede Antwort würde mich in eine der zahlreichen Schubladen packen, die immer irgendwo offen stehen und in die man von anderen so sehr gerne gesteckt wird.
Ich bin Schriftstellerin. Ja. Ich bin Buchhändlerin. Auch das, obwohl ich beide Berufe niemals im klassischen Sinne gelernt habe. Ich bin alleinerziehende Mutter von fünf Kindern, von denen drei noch bei mir zu Hause wohnen. Ich war einmal Rechtsanwältin, eine Schublade, die immer wieder besonders gerne von LehrerInnen und BibliothekarInnen aufgezogen wird, wenn es darum geht, mich vor einer Lesung vorzustellen , keine Ahnung, warum das so spannend sein soll. Ich bin also auch Vorleserin, ich bin Schreiblehrerin, ich bin Bücher inhalierende Leserin, ich bin begeisterte Köchin, Zu-Fuß-Geherin, ich wäre gerne Gärtnerin, was ich aber oft nur sehr spontan und temporär bin, manchmal bin ich noch Chorsängerin, oft Bahnreisende und noch öfter Reisende zwischen allen möglichen und unmöglichen Welten. Und viel zu selten bin ich Bloggerin. Aber manchmal eben auch das.
Anfang des Jahres habe ich meinen Blog umbenannt und bin mit vielen guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet. Dann habe ich meinen Blog fast aus Versehen wieder einschlafen lassen, dabei gäbe es so viel zu erzählen: vom Schreiben, vom Lesen, vom Buchladen, von meinen Schreibwerkstätten und auch einfach vom Garten oder neuen Kochrezepten. Nur - auch das Erzählen braucht Zeit und die ist bei mir oft knapp.

Aber ich habe es ja nie anders gewollt. Gestern habe ich beim Aufräumen ein kleines altes Notizbuch gefunden, in das ich als Jugendliche meine ersten Gedanken und Gedichte geschrieben habe. Und schon mit 16 wusste ich:

leben  
ich sehne mich danach
mit beiden armen
hineinzugreifen
ganz zu versinken
zu ertrinken
tragen will ich
was ich nur tragen 
kann
und mich dauert
jeder tropfen der
verloren geht

Oder, um es mit den Worten von Björn Kern zu sagen, dessen Buch "Im Freien - Abenteuer vor der Tür" mich heute durch den Sonntag begleitet hat:
Das Leben ist wie ein Eisbecher. Man kann ihn aufessen, dann ist er weg. Man kann ihn auch stehen lassen, dann ist er irgendwann auch weg.
Ich bin für aufessen. Und ich liebe jede Sorte. Mit Sahne.



Freitag, 11. Januar 2019

Bullet Journal

Ich hatte euch ja versprochen, ein bisschen zu erzählen, was sich in meinem Leben in letzter Zeit so an Veränderungen ergeben hat und wie ich diese angepackt habe. Ich fange mal hinten an und zeige euch erst eins meiner aktuellen wichtigsten Werkzeuge: mein Bullet Journal.

Die meisten von euch kennen diese (meist) punktkarierten Notizbücher bereits, für mich waren sie eine recht späte Neuentdeckung, genau genommen habe ich erst Mitte letzten Jahres damit angefangen, mich mit dem Thema Bullet Journal und allem, was es damit auf sich hat, vertraut zu machen.
Ein Listenmensch war ich schon immer. Eine Tagebuchschreiberin auch. Morgenseiten schreibe ich bereits seit einigen Jahren regelmäßig, Kalender führe ich in den verschiedensten Versionen schon lange, To-Do-Listen, Gartentagebücher, Pläne für alle möglichen Projekte, Haushaltsbücher, Ideensammlungen, Stimmungsbarometer in Form von schönen und schlechten Erinnerungen, all das sind Dinge, die es bei mir in schriftlicher Form schon immer gab. Wenn mir jemand ein Geschenk machen wollte, mit einem leeren Notizbuch lag er bei mir immer richtig, denn mein Verschleiß war hoch.
All diese Dinge aber in einem einzigen Journal zusammenzufassen und so IMMER bei mir zu haben, diese Idee war für mich völlig neu. Und ich war und bin total begeistert.
Endlich habe ich das Gefühl, Struktur in all meine Listen, Pläne, Ideen und Träume zu bekommen und nichts davon geht mehr verloren.
Wer sich mit dem Thema Bullet Journal befassen möchte, findet dazu so viele Fotos, Artikel und Beispiele im Netz, dass ich hier gar nicht erst anfangen will, einzelne davon hervorzuheben.
Die ursprüngliche Idee stammt von Ryder Caroll, und wer sein Buch "Die Bullet-Journal-Methode" liest, bekommt einen guten Einblick in die Methodik, die diesen Büchern zugrunde liegt.

Wie man sein Journal dann gestaltet, ist jedem natürlich selbst überlassen und ich gestehe: anfangs hat mich die Flut an Möglichkeiten und schönen Bildern, verschiedenen Schriften und Verzierungen fast erschlagen. Inzwischen habe ich für mich eine Mischung aus Praktischem und Schönem gefunden. Auch wenn hübsche Banner und originelle Schriften nicht zwingend erforderlich sind, um ein Bullet Journal zu führen, habe ich für mich doch gemerkt, dass die abendliche Beschäftigung mit diesen Dingen mich entspannt und es mir einfach gut tut, mich auf diese Weise meinen verschiedenen Baustellen zu nähern.

Inzwischen führe ich Jahres-, Monats-, Wochen- und Tagesübersichten, ich plane mein Schreiben genauso wie meinen Job im Buchladen, meine Haus- und Gartenarbeit, meine Blogbeiträge und - dank meiner Kollegin Alice Gabathuler inzwischen auch meine Lesereisen im Bullet. Auch ein paar Befindlichkeits - und Gewohnheitstracker probiere ich aus, außerdem führe ich Listen für Geschenkideen, Gestaltungsideen u.ä.
Die Möglichkeiten sind einfach dermaßen unerschöpflich, dass mir fast täglich etwas Neues einfällt, das ich meinem persönlichen Bullet hinzufügen möchte.
Wie sieht es bei Euch aus? Seid ihr dem Bujo, wie es liebevoll im Netz genannt wird, auch schon verfallen?

Dienstag, 1. Januar 2019

Neues Jahr - neuer Blog

Ein herzliches Willkommen allen, die mit mir ins Atelier Wort.Art umgezogen sind. Und ein genauso herzliches Willkommen all denen, die ganz neu hier vorbeischauen.
Warum nach so vielen Jahren ein neuer Blog mit einem ganz neuen Namen und einem neuen Gewand?
Es ist ein bisschen so wie mit allen Gewändern. Ich fühlte mich in meinem alten Blog "LiteraTour" zunehmend unwohl. Das Design, die Farben, der Titel, das war nicht mehr ich und es hätte mich viel viel Zeit gekostet, alles an meine neuen Bedürfnisse anzupassen. 
Und da ich mich aktuell sowieso in einer gewaltigen Phase des Umbruchs befinde, nicht nur auf meinen virtuellen Seiten, sondern auch im realen Leben gerade umstrukturiere, Ballast abwerfe und ausmiste, was das Zeug hält, war da irgendwann die Idee: warum es mit dem Blog nicht einfach genauso machen wie mit dem Kleiderschrank?
Und so starte ich jetzt ins neue Jahr mit einem ganz neuen Blog.

Was genau das Atelier Wort.Art alles beinhaltet, warum überhaupt dieser Name und was all die Brüche und Umbrüche in meinem Leben so mit sich bringen, das erzähle ich euch in den nächsten Blogbeiträgen einmal ganz in Ruhe. Den alten Blog habe ich nicht gelöscht, sondern werde ihn oben noch eine Weile verlinken. So können auch neue Besucher die alten Beiträge ganz in Ruhe nachlesen. 
Jetzt muss ich mich selbst erst einmal ein bisschen an mein neues Outfit gewöhnen, sicher werde ich in den nächsten Tagen und Wochen noch hier und da an Äußerlichkeiten herumschrauben, noch das eine oder andere Gadget hinzufügen, Farben ändern oder mit dem Design kämpfen.
Eins steht aber schon fest: Ich persönlich freue mich darauf, den neuen Blog mit Inhalten zu füllen und euch zu erzählen ... vom Schreiben, vom Leben und von dem ganzen Rest.

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