Freitag, 9. August 2019

Motivation statt Prokrastination

In ihrer letzten E-Mail an mich hat meine Freundin und Kollegin Alice Gabathuler ein Motivationsschild veröffentlicht, das seit ein paar Jahren bei ihr an der Wand hängt.

(c) Alice Gabathuler

Ich kann auch. Und ich will auch. Und trotzdem kriege ich oft den Hintern nicht hoch. Kennt ihr, oder? Alices Schild hat mich darüber nachdenken lassen, mit welchen Tricks ich mich so zum Schreiben motiviere, wenn die Luft mal wieder raus ist.

Drei Dinge sind mir dabei eingefallen, die für mich besonders wichtig sind und die vielleicht auch euch helfen können, wenn der innere Schweinehund mal wieder müde grunzt. 

1. Bullet Journal

Ich hatte euch ja schon erzählt, dass ich große Aufgaben gerne in viele kleine Schritte und Ziele unterteile, einfach, um öfter und mehr Erfolgserlebnisse zu haben. Diese Schritte versuche ich, in meinem Bullet Journal so darzustellen, dass ich sie tatsächlich abhaken kann. Zum Beispiel unterteile ich meine Manuskripte gerne in 5-Seiten-Schritte, die es zu schaffen gilt.


Mag albern sein, aber mich spornt das an, an Zielen auch wirklich dran zu bleiben, egal wie viele Schritte bis dorthin nötig sind.

2. Pomodoro - Technik

Schon mal davon gehört?
Diese Technik wurde von dem Italiener Francesco Cirillo entwickelt. Pomodoro ist italienisch und heißt Tomate. Mit einer Tomate hat diese Technik nur so viel zu tun, dass Cirillo für sie eine Eieruhr in Form einer Tomate zur Hilfe nahm.
Bei der Pomodoro-Technik unterteilt man seine Arbeitseinheiten in jeweils 25 Minuten (was auch eher Zufall ist, weil sich Cirillos Tomaten-Uhr nur bis 25 Minuten einstellen ließ). Nach jeder sog. Pomodoro-Einheit folgt eine Kurzpause von 5 Minuten. Und nach 4 Arbeitseinheiten folgt eine längere Pause von 30 Minuten.


Die Pomodoro-Technik ist zu einer beliebten Zeitmanagement-Technik geworden. Es gibt zahlreiche Apps fürs Smartphone, die dabei helfen, zwischen Arbeitseinheit und Pause abzuwechseln. Ich nutze die Tomate seit einiger Zeit und mir hilft die Technik sehr dabei, für längere Zeit an einem Text sitzenzubleiben, auch wenn es mal nicht so läuft. Aufstehen, Kaffee kochen, Kühlschrank putzen oder Blumen gießen - bei mir alles beliebte Unterbrechungen und Ablenkungen - kann ich ja dann in den 5-Minuten-Pausen machen. Ich bin ehrlich immer wieder überrascht, wie leicht es mir plötzlich fällt, mehrere Stunden am Stück intensiv zu arbeiten. Probiert es einfach mal aus. 

3. Teelicht - Technik

Eine andere Technik, die ich gerne nutze, ist die Teelicht-Technik. Ich habe sie früher schon mal in meinem Blog vorgestellt. Leider weiß ich nicht mehr, von wem ich diese Technik gelernt habe, aber das ist auch nicht so wichtig, weil ihre Anwendung kein großes Geheimnis ist.



Und darum geht es:
Ein handelsübliches Teelicht brennt ungefähr 4 Stunden. Ich nehme mir vor, mindestens 4 Stunden täglich an meinen Texten zu schreiben. 
Jedesmal, wenn ich mein Dokument öffne und arbeite, zünde ich vorher das Teelicht an. Schließe ich das Dokument und mache eine Pause, wird die Kerze wieder ausgepustet. Bis zum nächsten Arbeitseinsatz. Das wiederhole ich über den Tag verteilt so oft, bis das Teelicht von selbst erlischt. Dann weiß ich, dass ich meinen Vorsatz mal wieder in die Tat umgesetzt habe. Simpel. Aber manchmal echt hilfreich.

Und zum Schluss: 

Vergesst nicht die Belohnungen. Mir geht es oft so, dass ich an meinen Tagen mit Dreifacheinsätzen als Autorin, Buchhändlerin und alleinerziehende Mutter mit einem Haus voller Kinder mich selbst auch mal vernachlässige. 


Auch hier hilft mir seit einiger Zeit mein Bullet Journal. Ich nehme mir für jede Woche 5 Kleinigkeiten vor, die ich nur für mich tun will. Dinge, wie mir eine Blume kaufen, mal wieder ein heißes Bad gönnen oder auch - je nach Jahrezeit - mir einfach mal wieder einen heißen Kakao oder Eisbecher genehmigen. Kleine Auszeiten nur für mich. 
Zum Thema Selbstfürsorge kann ich aber gerne auch irgendwann mal einen eigenen Blogbeitrag schreiben, da fällt mir noch so manches ein.

Und jetzt bin ich neugierig: Wie motiviert ihr euch?


Montag, 22. Juli 2019

E-Mail für dich (2)

Wir kennen (und lieben) uns seit Jahren. Wir ticken ähnlich und doch wieder nicht. Jede von uns weiß, was die andere gerade umtreibt und oft begleiten uns unsere wechselseitigen Morgenmails durch den nächsten Tag. Alice Gabathuler ist so viel mehr für mich als nur eine liebe Kollegin. Und es war ihre Idee, Euch einen Blick in unsere Mails werfen zu lassen .

Meine erste Mail findet Ihr HIER. Und Alices Antwort könnt Ihr HIER nachlesen. So ganz konnte ich mich ihrer Meinung nicht anschließen ...


Liebe Alice,

danke für Deine ausführliche Antwort. Du hast schon recht, leider hält das Leben oft ganz viele verschiedene Wände für uns bereit. Ich habe jetzt den ganzen Tag über die Wände in meinem Leben nachgedacht und nein, so wie Du mir das vorgeschlagen hast, kann ich das nicht angehen. Ein paar Leitersprossen hier, Schild hinhängen, ein paar Leitersprossen da, Schild hinhängen… aber ich weiß jetzt auch, warum das so für mich nicht funktioniert.
Diese Wände stehen ganz unterschiedlichen Zielen im Weg. Es geht nicht darum, dass ich nicht mehrere Dinge gleichzeitig anpacken will. Ich habe dir ja mal erzählt, dass ich vor einer gefühlten halben Ewigkeit sogar ziemlich erfolgreich Triathlon betrieben habe. Damals habe ich drei Sportarten trainiert, Training war täglich und trainiert wurden jeweils immer zwei Sportarten. Da ging das mit dem Abwechseln ganz wunderbar. Mal ein paar Kilometer laufen, mal etliche Bahnen schwimmen, mal Rad fahren, dann wieder laufen. Einige verdammt hohe Wände, aber das Ziel dahinter war immer das gleiche: der Wettkampf.
Jetzt ist es aber so, dass mein Ziel der berufliche Erfolg ist bzw. die nackte Tatsache, dass ich mich und meine Kinder von meinem Beruf ernähren können will.  Dass wir ganz nebenbei auch einen verwilderten Garten irgendwie auf Vordermann bringen müssen oder die Fenster dringend geputzt werden müssten,  das sind Baustellen bzw. Wände – um bei unserem Bild zu bleiben – die zwar im Weg stehen, aber über die ich nicht drüber muss, wenn ich mit dem Schreiben Geld verdienen will. Das sind Wände, um die ich auch getrost herumgehen kann, denn sie stehen an einem anderen Weg zu einem anderen Gipfel.
Trotzdem gebe ich Dir in einem anderen Punkt recht. Auch zu meinem Gipfel führen ja ganz viele Wege. Das sind die Bücher, die ich schreibe, die Lesungen, die ich mache, die Schreibwerkstätten, die ich veranstalte. Mal sind es Jugendromane, mal kürzere Erstleser und ganz oft ist es alles auf einmal, das bewältigt werden muss. Hier ist es ganz sicher so, dass ich nicht stur nur einem Weg folge und alles andere rechts und links liegenlasse. Hier mache ich es so wie du: mal die eine Leiter, dann wieder die andere ein Stück. Und manchmal ist der Weg zum Ziel verdammt lang und steil.
Dabei versuche ich das umzusetzen, was ich eigentlich im Radrennsport gelernt habe: Wenn der Berg sehr steil ist, niemals auf den Gipfel gucken und auf das lange Stück Asphalt, das noch vor dir liegt. Den Blick immer nur aufs Vorderrad und die nächsten 30 Zentimeter. Die müssen geschafft werden. Und dann wieder die nächsten 30 Zentimeter. Und ganz notfalls auch mal ein paar Serpentinen auf der Straße fahren, wenn der direkte Weg zu steil ist. Und wieder 30 Zentimeter. Und plötzlich ist man am Gipfel.


So hangele ich mich heute noch durch schwere oder langwierige Aufgaben. Zentimeter für Zentimeter, Seite für Seite, manchmal auch nur Satz für Satz.
Nur Absteigen sollte man nach Möglichkeit nicht, weil danach die Beine verdammt schwer werden.
Und ich glaube, das war mein Fehler in letzter Zeit. Ich bin zu oft abgestiegen. Und einige Male hat mich auch ein fieses Unwetter vom Rad gepustet. Und jedes Mal wird das Anfahren ein bisschen mühseliger. Aber so allmählich komme ich wieder in den Tritt.
Eigentlich wäre das ja eine prima Möglichkeit, die vielen kleinen Schritte und Zentimeter, die zurückgelegt werden müssen, in meinem Bullet Journal graphisch darzustellen. Ich glaube, ich brauche jetzt mal meine Stifte.

Ich drück dich. Ganz doll.
Jutta


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