Montag, 25. November 2019

50 Tage - 50 Chancen Tag 12 - 47

Ihr Lieben,
jetzt bin ich selbst erschrocken, wie lange ich hier nichts mehr gepostet habe.
Da ist mir das Leben mal wieder gründlich dazwischen gekommen - in Form von grippalen Infekten, vielen Lesungen, Schreib- und Abgabeterminen, Vorweihnachtsstress im Buchladen und und und...
Trotzdem habe ich an meinem 50 Tage-Plan ganz gut festgehalten und will Euch wenigstens noch ein Stück weit mitnehmen und erzählen, wie es mir weiter ergangen ist und welche Routinen ich noch umsetzen konnte.

Bis zu Tag 11 hatte ich Euch folgende Routinen und Vorhaben vorgestellt:

• 8 Stunden Schlaf täglich
• 1 Stunde für mich jeden Morgen
• Morgenseiten
• Finanzjournal
• 3 Liter Wasser täglich
• 10.000 Schritte 
• regelmäßig bloggen
• regelmäßig Instagram
• wöchentlich 20 Aussendungen

Das mit den 8 Stunden Schlaf täglich klappt nicht immer, aber meistens, weil ich sehr genau darauf achte, möglichst rechtzeitig schlafen zu gehen. Und - es tut mir gut, auch wenn ich anfangs oft dachte, ich könnte doch jetzt am Abend noch dieses oder jenes erledigen. Aber ich komme wesentlich besser durch den Tag, seit ich mich bemühe, diesen Schlafrhythmus weitgehend einzuhalten. Auch die Morgenroutinen, die Stunde für mich jeden Morgen habe ich beibehalten, auch wenn ich dafür manchmal verdammt früh aufstehen muss. Aber nach acht Stunden Schlaf ist auch das kein Problem. 
Morgenseiten und Finanzjournal habe ich ebenfalls weiter geführt, mit dem Finanzjournal bin ich inzwischen durch, dazu erzähle ich Euch später einmal mehr, weil es absolut faszinierend ist, wie mir das Journal dabei geholfen hat, meinen finanziellen Kram auf die Reihe zu kriegen.
3 Liter Wasser - nun ja. Es fällt mir schwer. Nach wie vor. Aber ich bin dran und bemühe mich, weil auch das mir eigentlich gut tut.
Die 10.000 Schritte schaffe ich meistens - nicht immer - aber eben doch sehr sehr oft, weil ich ja nur noch ohne Auto zu Fuß oder mit dem Rad unterwegs bin. Ich würde gerne noch mehr rauskommen, wandern, joggen, da muss ich mir noch etwas einfallen lassen, damit ich dafür auch die Zeit finde.

Zum regelmäßigen Bloggen sage ich jetzt mal nix, gelobe aber Besserung. Hier sind so viele Dinge gerade im Hintergrund in Arbeit, dass ich Stoff für mehrere Posts täglich hätte, ich versuche, alles im Auge zu behalten und Euch nach und nach davon zu berichten.

Instagram: Tja - viele von Euch haben es schon gemerkt. Meinen Instagram-Account gibt es nicht mehr. Es ging mir nach einer Weile mit Instagram genauso wie mit allen anderen Social Media Portalen, ich war gestresst und genervt. Ich habe an mir selbst beobachtet, dass mein erster Griff am Morgen zum Smartphone war, wo ich mich durch die Fotos und Beiträge der anderen User gescrollt habe. Dann hatte ich plötzlich das Gefühl, schon bei jeder Tasse Kaffee zu überlegen, wie ich die wohl so fotografieren könnte, dass auch andere sie toll finden, wie ich mich am besten als Autorin in Szene setze, wie ich andere mit Bildausschnitten an meinem tollen, bunten, vielseitigen Autorenleben teilhaben lasse ... keine Frage - mein Leben ist bunt. Aber will ich es wirklich dauernd mit der Öffentlichkeit teilen? Mir wurde alles plötzlich zu viel. Dieses dauernde Starren auf Followerzahlen, dieser Kampf um #Hashtags und Reichweite, dieses Gefühl, die Welt nur noch durch die Kamera meines Smartphones zu betrachten. Ich  einen Schnitt gemacht und meinen Account gelöscht. Und es geht mir verdammt gut damit.
Ich habe nicht nur sehr viel Zeit gewonnen, sondern auch wieder einen anderen Blick auf die Dinge. Ich sehe schöne Dinge, fotografiere auch manche, aber ich muss sie nicht mehr mit der Welt teilen. Ich lerne wieder, sie ganz für mich alleine zu genießen, ganz ohne Likes und Herzchen und Daumen hoch. Das hat mir gefehlt. 
Für mich habe ich vorläufig beschlossen, dass mein Medium der Blog ist und bleibt. Ich sage niemals nie, deshalb sage ich auch nicht, dass ich nie wieder zu Insta & Co zurückkehre. Aber im Moment tut es mir gut und mir fehlt nichts.

Die Aussendungen an Schulen machte ich weiter, habe allerdings von 20 wöchentlichen Briefen auf 10 Briefe runtergefahren, was einen ganz banalen Grund hat: das Porto. Ein Brief kostet 0,80 Euro und das mal 20 ging einfach zu sehr zu Lasten meiner finanziellen Möglichkeiten. Allerdings habe ich schon einige Lesungen aufgrund meiner ersten Aussendungen festmachen können, die Strategie geht also auf und ich freue mich riesig darüber. Soviel dazu, dass man ohne die sozialen Medien heute keine erfolgreichen Kontakte mehr knüpfen kann.

Jetzt will ich Euch aber noch verraten, welche Routinen und Regelmäßigkeiten ich mir im Rahmen meiner persönlichen 50 Tage Challenge noch so angeeignet habe bzw. was ich versucht habe, innerhalb dieser Zeit umzusetzen.

• schreiben
• sparen
• Weiterbildung
• neue Ideen
• raus gehen
• Haus & Garten

Klingt alles erstmal fürchterlich banal und viele von Euch werden vielleicht sagen das mache ich doch sowieso schon alles. Aber darum ging es mir nicht. Es ging mir darum, meinem persönlichen Chaos wieder eine Richtung zu geben, mich neu zu sortieren und vom ständigen Hin und Her und Auf und Ab wieder auf einen Weg zu kommen, der mir gut tut.
Täglich zu schreiben war mir ein riesiges Bedürfnis, zum einen notwendig, um weiter Bücher schreiben zu können, zum anderen aber auch, um wieder atmen zu können. Denn das Schreiben fehlt mir oft, wie die Luft zum Atmen. Und auch wenn ich durch meine Arbeit im Buchladen, meine große Familie, meinen Haushalt und viele andere Prioritäten manchmal fast keine Zeit habe, wollte ich, dass das Schreiben wieder in den Vordergrund rückt, dass es wieder zu einem festen und wesentlichen Bestandteil meines Alltags wird. Und das ist mir tatsächlich gelungen.
Zum Sparen schreibe ich Euch mal was in einem eigenen Finanz-Blogbeitrag, dazu gibt es so viel zu erzählen, das würde heute den Rahmen sprengen. Nur so viel: ich habe es tatsächlich geschafft, täglich einen gewissen Betrag nicht auszugeben, sondern zur Seite zu legen. Täglich.
Tägliche Weiterbildung ist auch ganz ganz wichtig für mich geworden. Sehr hilfreich sind für mich dabei die vielen spannenden Podcasts, die es so gibt. Eigentlich gibt es keinen Tag mehr, an dem ich nicht ein Hörbuch oder einen Podcast auf den Ohren habe. Das ist für mich die einfachste Form, aber auch fürs Lesen nehme ich mir noch viel Zeit, Zeit, die ich übrigens ebenfalls durch den Abschied von Instagram gewonnen habe.  ;-)

© Alice Gabathuler


Zu den neuen Ideen kommt demnächst auch noch ein eigener Beitrag. Ich habe da so ein paar Dinge im Hinterkopf, die ich umsetzen möchte, die aber eine gewisse Vorbereitung brauchen. Zum einen sind das natürlich Ideen für neue Bücher, zum anderen aber auch Ideen für ein paar berufliche Veränderungen. Im Rahmen meiner 50 Tage-Challenge hatte ich mir einfach vorgenommen, täglich diese Ideen weiterzuentwickeln und ein kleines Stückchen voranzutreiben. Auch das hat wunderbar funktioniert und Ihr dürft gespannt sein, was ich mir da so alles ausgedacht habe. Ab Januar geht es los.

Zum "Raus gehen": früher habe ich ja ohne Ende Sport getrieben, Triathlon, Laufen, Radfahren, Schwimmen, in irgendeiner Form war ich immer draußen unterwegs. Dann kam langsam Familie, Beruf, Alltagstrott und das "Draußen sein" wurde immer seltener. Natürlich bin ich noch spazieren gegangen, im Urlaub auch mal wandern, habe auch ab und zu eine Radtour gemacht oder immer mal wieder das Joggen angefangen. Aber so richtig viel draußen war ich nicht mehr.
Seit einigen Wochen ist das anders. Und es ist, als ob mich eine alte Sehnsucht gepackt hätte. Ich habe unbändigen Hunger nach "Draußen". Versuche, diesem Hunger täglich nachzugeben, bin viel unterwegs, viel zu Fuß, auch wenn ich mit Rad oder Bus fahren könnte, gehe fast täglich in den Wald, manchmal nur kurz, aber Hauptsache raus. Auch dazu werde ich Euch sicher noch das eine oder andere erzählen.

Das war es eigentlich im Wesentlichen.
Unterm Strich kann ich jetzt schon sagen:
Mir haben diese 50 Tage sehr dabei geholfen, mir über das eine oder andere klar zu werden, manche Dinge sind inzwischen schon Routinen geworden, andere hinterfrage ich und überlege, ob sie mir wirklich wichtig sind. Entscheidend für mich ist, dass ich wieder Kraft und vor allem auch Lust für die Zukunft habe, dass ich den Raum gefunden habe, neue Ideen zu entwickeln, wieder kreativ zu sein und aktuell ziemlich viel Elan habe, Dinge anzupacken. Und darüber bin ich sehr glücklich, denn das war mir lange Zeit verloren gegangen.

Um bei meinem beliebten Bild zu bleiben: es ist anstrengend, ich gehe gerade ziemlich steil bergauf, das geht nur langsam und mit etlichen Verschnaufpausen, aber es geht bergauf. Und ich sitze nicht länger irgendwo da unten im Geröllhaufen fest.

Ich freue mich auf einen spannenden Weg und darauf, dass Ihr mich dabei begleitet.




Donnerstag, 24. Oktober 2019

Friedenspreis des Deutschen Buchhandels für Sebastião Salgado

Am vergangenen Sonntag wurde in Frankfurt der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. Ich durfte an dieser Veranstaltung teilnehmen. Was für ein Geschenk!
Schon beim Betreten der geschichtsträchtigen Paulskirche wurde sichtbar, dass es sich in diesem Jahr um einen ganz besonderen Preisträger handelt. Rechts und links des Rednerpults zierten riesige Schwarzweißfotos die Wände. Zum ersten Mal in der Geschichte des Friedenspreises zeichnete der Börsenverein einen Fotografen aus: Sebastião Salgado
In der Begründung zu dieser Auszeichnung heißt es unter anderem, Saldago sei "ein Bildkünstler, der mit seinen Fotografien soziale Gerechtigkeit und Frieden fordert und der weltweit geführten Debatte um Natur- und Klimaschutz Dringlichkeit verleiht."
Wim Wenders, der schon vor einigen Jahren mit seinem Film "Das Salz der Erde" eine eindrückliche Dokumentation über das Schaffen Saldagos veröffentlicht hat, unterstrich dessen Arbeit in seiner Laudatio als "Werk und Wirken des Friedens".
Anlässlich seiner Dankesrede ließ Sebastião Salgado am Sonntag sein gesamtes Fotografenleben Revue passieren. Immer wieder musste der Preisträger dabei seine eigenen Ausführungen unterbrechen, die er sichtbar ergriffen und nur unter Tränen verlesen konnte, während er davon berichtete, wie die Grausamkeiten und Ungerechtigkeiten dieser Welt ihn selbst immer mehr verzweifeln ließen, bis er schließlich endgültig krank und gebrochen nach Hause zurückkehrte. Saldago appelierte an seine Zuhörer: "Irgendwie müssen wir neue Mittel und Wege des Zusammenlebens finden!" 
Zum Abschluss seiner Rede dankte Saldago seiner Ehefrau Lélia mit einer Liebeserklärung. Sie sei nicht nur "die schönste Frau, die ein Mann im Traum finden, küssen und heiraten könne", sie habe ihm durch ihre Liebe auch das Leben gerettet, als er aus Ruanda kam, "ein gebrochener Mann, heimgesucht vom Blut und vom Tod, dem ich begegnet war."

Nicht nur beim Preisträger flossen Tränen, auch viele ZuhörerInnen in der Paulskirche  ließen ihren Tränen freien Lauf und dankten Sebastião Saldago ergriffen mit sehr lange anhaltendem stehenden Applaus.       

Schaut Euch den Film von Wim Wenders an, eine kurze Zusammenfassung über das Leben und das Werk Saldagos findet Ihr aber auch HIER.
"Um eine andere Zukunft zu errichten, müssen wir die Gegenwart verstehen. Meine Fotos zeigen diese Gegenwart und so schmerzhaft der Anblick ist, wir dürfen den Blick nicht abwenden."

Einen Weg für sich selbst hat Saldago bereits gefunden. Zusammen mit seiner Frau Lélia hat er damit angefangen, den zerstörten Wald in seiner Heimat Brasilien wieder aufzuforsten. Über 3 Millionen Bäume hat das Ehepaar zusammen mit dem von ihm gegründeten Instituto Terra bereits gepflanzt.

Ich lege Euch die komplette Rede des Preisträgers so sehr ans Herz. Nachlesen könnt Ihr sie HIER

Ich selbst habe für mich beschlossen, dass ein Teil meiner Einnahmen zukünftig in dieses wunderbare Projekt fließen soll. Ein Projekt, das Hoffnung macht.



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