Sonntag, 17. März 2019

Wer bin ich und wenn ja, wie viele?

Ehrlich gesagt, auch wenn mich die Frage seit einiger Zeit verfolgt, komme ich gar nicht dazu, sie zu beantworten. Und will das eigentlich auch gar nicht. Denn jede Antwort würde mich in eine der zahlreichen Schubladen packen, die immer irgendwo offen stehen und in die man von anderen so sehr gerne gesteckt wird.
Ich bin Schriftstellerin. Ja. Ich bin Buchhändlerin. Auch das, obwohl ich beide Berufe niemals im klassischen Sinne gelernt habe. Ich bin alleinerziehende Mutter von fünf Kindern, von denen drei noch bei mir zu Hause wohnen. Ich war einmal Rechtsanwältin, eine Schublade, die immer wieder besonders gerne von LehrerInnen und BibliothekarInnen aufgezogen wird, wenn es darum geht, mich vor einer Lesung vorzustellen , keine Ahnung, warum das so spannend sein soll. Ich bin also auch Vorleserin, ich bin Schreiblehrerin, ich bin Bücher inhalierende Leserin, ich bin begeisterte Köchin, Zu-Fuß-Geherin, ich wäre gerne Gärtnerin, was ich aber oft nur sehr spontan und temporär bin, manchmal bin ich noch Chorsängerin, oft Bahnreisende und noch öfter Reisende zwischen allen möglichen und unmöglichen Welten. Und viel zu selten bin ich Bloggerin. Aber manchmal eben auch das.
Anfang des Jahres habe ich meinen Blog umbenannt und bin mit vielen guten Vorsätzen ins neue Jahr gestartet. Dann habe ich meinen Blog fast aus Versehen wieder einschlafen lassen, dabei gäbe es so viel zu erzählen: vom Schreiben, vom Lesen, vom Buchladen, von meinen Schreibwerkstätten und auch einfach vom Garten oder neuen Kochrezepten. Nur - auch das Erzählen braucht Zeit und die ist bei mir oft knapp.

Aber ich habe es ja nie anders gewollt. Gestern habe ich beim Aufräumen ein kleines altes Notizbuch gefunden, in das ich als Jugendliche meine ersten Gedanken und Gedichte geschrieben habe. Und schon mit 16 wusste ich:

leben  
ich sehne mich danach
mit beiden armen
hineinzugreifen
ganz zu versinken
zu ertrinken
tragen will ich
was ich nur tragen 
kann
und mich dauert
jeder tropfen der
verloren geht

Oder, um es mit den Worten von Björn Kern zu sagen, dessen Buch "Im Freien - Abenteuer vor der Tür" mich heute durch den Sonntag begleitet hat:
Das Leben ist wie ein Eisbecher. Man kann ihn aufessen, dann ist er weg. Man kann ihn auch stehen lassen, dann ist er irgendwann auch weg.
Ich bin für aufessen. Und ich liebe jede Sorte. Mit Sahne.



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